Robert Schumann zählt zu den bedeutendsten Komponisten der Romantik – ein Künstler von außergewöhnlicher Ausdruckskraft, dessen Leben und Werk bis heute berühren. Seine Musik erzählt von Sehnsucht, Leidenschaft und großer Innerlichkeit, zugleich aber auch von den tiefen seelischen Krisen, die ihn begleiteten.
Mit „Hör meiner Stimme Schall“ laden die Sprecherin Ulrike Hübschmann und die Pianistin Huijing Han zu einer besonderen musikalischen Lesung ein, die den Menschen hinter dem Komponisten sichtbar werden lässt. Aus Briefen, Tagebüchern und persönlichen Aufzeichnungen entsteht das vielschichtige Porträt eines Künstlers, der ursprünglich selbst Schriftsteller werden wollte und dessen literarische Stimme ebenso eindrucksvoll war wie seine musikalische.
Die Reise führt von Schumanns frühen Jahren über seine großen Schaffensphasen bis an die Grenzen seiner inneren Welt. Worte und Musik treten dabei in einen intensiven Dialog: Während Ulrike Hübschmann Schumanns Gedanken, Sehnsüchte und Zweifel hörbar macht, eröffnet Huijing Han mit seiner Musik einen unmittelbaren Zugang zu seinem emotionalen Kosmos.
Es entsteht ein bewegender Konzertnachmittag zwischen Klang und Sprache – eine Begegnung mit Robert Schumann, die weit über das klassische Konzert hinausgeht und den Menschen hinter dem Genie spürbar werden lässt.
Lesung: Ulrike Hübschmann
Klavier: Huijing Han
Aufführungen: siehe Aktuelles
Nähere Informationen zur Pianistin und Steinway-Artistin Huijing Han finden Sie hier.


© Bilder und Videos: Martin Keil
Aegeri Concerts 2022 | "Hör meiner Stimme Schall" am 10.11.2022
Kritik in der Luzerner Zeitung & Zuger Zeitung vom 12.11.2022 - von Andreas Faessler
Verliebtheit und tragischer Tod – Wort und Klang lassen tief in die Schumann’sche Seele blicken.
Mit Musik in Kombination mit Literatur – beides aus der Hand eines der bedeutendsten Komponisten der Romantik – verklingt das neue Kulturformat «Aegeri Concerts». Das bewegte Publikum darf sich auf eine weitere Saison freuen.
18 Jahre alt war Robert Schumann, als er seine spätere Frau Clara geb. Wieck zum ersten Mal sah. Aus einer jugendlichen Verliebtheit entwickelte sich bald eine tiefe, innige Liebe, die nicht ganz einfach war. Warum nur wollte Vater Wieck dieser Verbindung seine Zustimmung nicht geben?
Die bewegte Liebesgeschichte von Robert und Clara Schumann gehört dank erhaltenen Briefwechsels und Tagebüchern zu den bestdokumentierten des 19. Jahrhunderts, der Blütezeit der Romantik. Leben, Liebe und schliesslich das traurige Schicksal des Komponisten aus Zwickau waren Gegenstand der letzten Ausgabe «Klavier und Literatur» im Rahmen von «Aegeri Concerts», der neuen Kulturreihe in der Ägerihalle.
Mit kleinen Musikstücken aus Robert Schumanns populären szenischen Zyklen (Kinderszenen, Waldszenen, Papillon, Kreisleriana u. a.) abwechselnd mit vorgelesenen Exzerpten aus seinen Briefen an Clara und weitere Adressatinnen und Adressaten, die ihm wichtige Lebensbegleiter waren, war es ein biografisch geprägter Abend im intimen Rahmen. Die Bühne der Ägerihalle wurde zur Studiobühne umfunktioniert, eher möchte man sagen zum Wohnzimmer, welches der Intimität der Thematik den perfekten Raum gab.
Das für literarisch-konzertante Anlässe solcher Art erfahrungsgemäss tendenziell kleinere Publikum erlebte mit der deutschen Schauspielerin/Sprecherin Ulrike Hübschmann und der chinesischen Pianistin Huijing Han ein perfekt aufeinander abgestimmtes Zweigespann. Mit dem Schumann'schen Werk und seiner Biografie bestvertraut, haben die beiden Frauen das Programm in einem intensiven Prozess gemeinsam erarbeitet.
«Meine Liebe hat er mit sich genommen ...»
Die sorgfältige Auswahl der Textauszüge und Klavierstücke zeichnete das Leben des Komponisten von seiner jugendlichen Liebesphase bis zum Tod auf tief berührende Wiese nach. Schumann, der als Schreibender genauso talentiert gewesen sein soll wie als Komponist, spricht in seinen Briefen in schönster Manier des 19. Jahrhunderts – poetisch aufgeladen und aus tiefstem Herzen. Was aus heutiger Sicht romantisch-verklärt anmuten mag, ist pure Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit des Schreibenden.
Im Laufe des Vortrages wurden die zitierten Texte immer schwermütiger. Das Schicksal Robert Schumanns, welches in seiner schweren psychischen Erkrankung und schliesslich mit seinem frühen Ableben im Jahre 1856 besiegelt wird, stand dann auch am Ende dieses Abends, der mit einem Tagebucheintrag Clara Schumanns, einem bewegenden Nachruf auf ihren entschlafenen Mann, verklang – mit den finalen Worten «Meine Liebe hat er mit sich genommen ...».
Mit respektvoll zurückhaltender Gestik und meisterlicher Intonation rezitierte Ulrike Hübschmann die Schumann'schen Worte im schönsten biedermeierlichen Wortlaut. Huijing Han's einfühlsame Antwort darauf am Klavier griff die jeweilige Stimmung aus den Briefen auf, gelegentlich mit dem Vorgelesenen leicht überlappend – ein einfaches Mittel, doch höchst effektvoll.
Das Publikum, es war sichtlich gerührt und bewegt. Mit zwei Klavierzugaben wirkte Huijing Han der Betroffenheit entgegen; mit zwei lebensbejahenden Stücken aus Clara Schumanns Werk. Hochromantisch ist «Aegeri Concerts» 2022 verklungen.